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Der im Zusammenhang mit der Gestaltung von Internet-Präsenzen häufig genutzte Begriff "Usability" lässt sich mit "Gebrauchstauglichkeit" oder aber auch "Brauchbarkeit" übersetzen. Doch wie definiert man die Brauchbarkeit eines Informationsangebots im Internet? Der wohl profilierteste Usability-Forscher ist der Amerikaner Jakob Nielsen.
Dieser setzt in seinem Testlabor "Otto Normalsurfer" vor den Computer und lässt ihn klar beschriebene Aufgaben lösen (z.B. die Bestellung eines Artikels oder eine Recherche-Aufgabe). Aus den dabei beobachteten Erfolgen bzw. Misserfolgen leitet er seine Empfehlungen ab.
Regelmässig hält Nielsen uns Entwicklern von Internet-Präsenzen den Spiegel vor und fordert Änderungen bezüglich der gängigen Gestaltungspraxis.
Auszüge aus den von Jakob Nielsen identifizierten "10 meist gemachten Webdesign-Fehlern des Jahres 2002" sind auf dieser Seite dokumentiert. Sie sind als mögliche Fehlerquellen auch heute noch aktuell.
Hinweis: Die Veröffentlichungen von Jakob Nielsen
finden sich auf seiner Internet-Präsenz http://www.useit.com
(Neues Fenster).
Die
Übersetzungs- und Vertriebsrechte der Texte für den gesamten deutschsprachigen
Raum besitzt das Schweizer Institut für
Software-Ergonomie und Usability (Neues Fenster). Vielen Dank für die Genehmigung, Teile des Textes hier verwenden
zu dürfen. Wer den übersetzten Newsletter von Nielsen regelmässig beziehen möchte, kann
ihn auf dieser Seite kostenlos bestellen
(Neues Fenster).
Zu den meist gemachten Webdesign-Fehlern gehören zum Beispiel fehlende Informationen. Nielsen schreibt dazu:
Keine Preisangaben
Keine B2C E-Commerce Website würde diesen Fehler machen, aber innerhalb B2b - wo die
meisten "Unternehmenslösungen" auf eine Art und Weise dargestellt sind,
dass man nicht unterscheiden kann, ob sie für 100 oder 100.000 Personen
gemacht sind, ist genau dieser Fehler weit verbreitet. Der Preis ist die
spezifischste Information, anhand derer ein Kunde die Offerte prüfen kann.
Wenn man diese Information nicht bereitstellt, fühlen sich die Leute verloren
und ihr Verständnis für eine Produktelinie verringert sich.
Ein klassischer Fehler, der häufig zu beobachten ist. Vor allem dann, wenn ein Webdesigner glaubt, pixelgenau festlegen zu können, wie eine Präsenz beim Nutzer angezeigt wird:
Horizontales Scrolling
Die Anwender
hassen es, von links nach rechts zu scrollen. Das vertikale Scrollen scheint
o.k. zu sein, vielleicht auch deshalb, weil es weit verbreitet ist. Webseiten,
die in einem herkömmlich grossen Fenster, zum Beispiel bei 800 x 600 Pixel
ein horizontales Scrolling verlangen, sind besonders störend. Aus irgendeinem
Grund scheinen viele Websites auf eine Browser-Fensterbreite von 805 Pixel optimiert zu sein und dies, obwohl diese Auflösung ziemlich selten ist und
diese zusätzlichen 5 Pixel im Verhältnis zum Aufwand für das horizontale
Scrolling (und der Fläche, die der horizontale Scrollbar braucht) wenig
bieten.
Der folgende Punkt wird auch auf meiner Seite oft erwähnt:
Feste Schriftgrösse
Leider geben
Style Sheets den Websites die Möglichkeit, die Browser-Funktion "Schriftgrad
ändern" zu überschreiben und die Schriftgrösse fix festzulegen. In ungefähr
95% der Fälle ist diese feste Schriftgrösse zu klein und reduziert so die
Lesbarkeit für die meisten Anwender über 40. Respektieren Sie die Vorlieben
der Anwender und lassen Sie sie die Schriftgrösse selbst bestimmen. Legen
Sie zudem die Schriftgrösse relativ gesehen fest - nicht als absolute Anzahl
Pixel.
Sie haben sich gewundert, auf meiner Seite neben jedem externen Link die zusätzliche Möglichkeit "Neues Fenster" vorzufinden? Hier die Erklärung vom Experten:
Javascript
Links
Die Grundbausteine des Webs sind Links und die Fähigkeit
der Anwender, diese Links zu verstehen und sie mit unterschiedlichen Browsereigenschaften
richtig zu nutzen. Links, die sich anders verhalten als erwartet untergraben
das Verständnis des Anwenders bezüglich seinen Vorstellungen über das System.
Ein Link sollte ein einfacher Hypertexthinweis
sein, welcher die aktuelle Seite durch neuen Inhalt ersetzt. Anwender hassen
unaufgeforderte Pop
up Fenster.
Wenn sie den Inhalt der neuen Seite in einem
neuen Fenster anzeigen lassen möchten, dann können sie das mittels Browserfunktion
"In neuem Fenster öffnen" tun; vorausgesetzt natürlich, dass der Link nicht
aus Programmiercode besteht, welcher das Standardverhalten des Browsers
einschränkt. Anwender verdienen es, die Kontrolle über das System zu haben.
Computer, die sich konsistent verhalten, geben den Leuten mehr Macht, indem
sie sie ihre eigenen Werkzeuge benutzen und diese auch anwenden lassen.
"URL" ist die Bezeichnung für eine Internet-Adresse. Wenn diese zu lang ist, führt das zu Problemen:
URL > 75 Zeichen
Lange URLs führen
zu einem Bruch der sozialen Navigation des Webs, weil sie es praktisch verunmöglichen,
einem Freund eine Empfehlung zu mailen, eine bestimmte Website zu besuchen.
Wenn die URL zu lange ist um sie in einer Browser-Adresszeile einzugeben,
werden viele Anwender gar nicht wissen, wie sie sie anwählen können. Wenn
sich die URL in der E-Mail über mehrere Zeilen erstreckt, können sie die
meisten Empfänger nicht mehr zu einem Stück zusammenfügen. Das Resultat?
Kein virenähnliches Marketing, nur weil die URL zu lang ist. Eine schlechte Art und Weise, Geschäfte zu verlieren.
Mir gefällt an Nielsens Untersuchungen, dass er häufig mit anführt, wie Besucher sich bei ihren Aktionen fühlen. Ein weiteres Beispiel:
Mailto-Links
an unerwarteten Orten
Was erwarten Sie, wenn sie im Web einen
Link anklicken? Eine neue Seite, welche Informationen über den Link enthält,
den sie gerade angeklickt haben. Was erwarten Sie nicht? Das Starten eines
E-Mail Programmes, dass von Ihnen Input erwartet, anstatt Informationen
anzubieten. Mailto-Links sollen für Links verwendet
werden, die ausdrücklich anzeigen, dass es sich um E-Mail Adressen handelt,
entweder durch die Anzeige des Formats info@usability.ch oder ihre Bezeichnung
(Senden Sie eine E-Mail an den Kundendienst).
Belegen Sie die Namen
von Personen nicht mit Mailto-Links; das Anklicken
des Namens sollte im Normalfall die Biografie der Person zeigen und nicht
ein E-Mail Programm starten. Nochmals, ein Interaktionsdesign muss den Erwartungen
des Anwenders entsprechen. Je konsistenter es ist, desto mehr Anwender werden
es verstehen und so die Kontrolle über das System haben. Verletzte Erwartungen
verursachen ein Gefühl der Unterdrückung, in der die Technologie über die
Menschen herrscht und so deren Fähigkeit verringert, die Interaktion zu
steuern.
Auf einer Mailing-Liste habe ich folgenden Satz aufgeschnappt:
Wenn die Website die Nutzerbedürfnisse erfüllt, ist sie nützlich. Wenn die Website nützlich ist, wird sie genutzt. Wenn Nutzer die Website benutzen, werden Sie Ihre Ziele erreichen.